Sie lernen, wann der Graph einer Funktion achsensymmetrisch zur -Achse oder punktsymmetrisch zum Ursprung ist, wie man das nachweist und wie man Symmetrie in Sachzusammenhängen deutet.
1 Definitionen
Symmetrie lässt sich nur untersuchen, wenn zu jeder Stelle auch die Gegenstelle zur Definitionsmenge gehört. Man sagt dann: Die Definitionsmenge ist symmetrisch zu 0. Beispiele: , , . Nicht symmetrisch zu 0 sind z. B. oder .
Definition 1 · Achsensymmetrie zur y-Achse
Eine Funktion heißt gerade Funktion, und ihr Graph heißt achsensymmetrisch zur -Achse, wenn für alle gilt: und
Geometrisch: Die Spiegelung an der -Achse bildet den Graphen auf sich selbst ab. Zu jedem Punkt des Graphen gehört auch der Punkt .
Definition 2 · Punktsymmetrie zum Ursprung
Eine Funktion heißt ungerade Funktion, und ihr Graph heißt punktsymmetrisch zum Koordinatenursprung , wenn für alle gilt: und
Geometrisch: Die Punktspiegelung am Ursprung (das ist dasselbe wie eine Drehung um um ) bildet den Graphen auf sich selbst ab. Zu jedem Punkt gehört auch der Punkt .
achsensymmetrisch zur -Achse: punktsymmetrisch zum Ursprung:
Satz · Symmetrie ganzrationaler Funktionen
Für eine ganzrationale Funktion in ausmultiplizierter Form
gilt:
Kommen nur gerade Exponenten vor, ist der Graph achsensymmetrisch zur -Achse.
Kommen nur ungerade Exponenten vor, ist der Graph punktsymmetrisch zum Ursprung.
Kommen gerade und ungerade Exponenten vor, besitzt der Graph keine dieser beiden Symmetrien.
Achtung: Ein konstanter Summand gehört wegen zum geraden Exponenten .
Merke
Nachweis einer Symmetrie: allgemein mit rechnen – Zahlenbeispiele genügen nie.
Widerlegung einer Symmetrie: Ein einziges Gegenbeispiel genügt.
Ist ungerade und , dann gilt , denn aus folgt .
2 Typische Ausdrucksweisen und Darstellungen
Formulierungen in Aufgaben und Texten
Formulierung
Bedeutung
„Der Graph von ist achsensymmetrisch zur -Achse.“ „ ist eine gerade Funktion.“ „ ist symmetrisch bezüglich der -Achse.“
für alle
„Der Graph von ist punktsymmetrisch zum Ursprung.“ „… zum Koordinatenursprung / zum Punkt .“ „ ist eine ungerade Funktion.“
für alle
„Untersuchen Sie (den Graphen von ) auf Symmetrie.“
Beide Symmetrien prüfen, das Ergebnis angeben und begründen. Auch „keine der beiden Symmetrien“ ist ein Ergebnis.
„Weisen Sie nach, dass …“ / „Zeigen Sie, dass …“
Allgemeine Rechnung mit für alle . Einzelne Funktionswerte reichen nicht.
„Begründen Sie …“
Ein tragfähiges Argument angeben, z. B. „Im Funktionsterm kommen nur gerade Exponenten vor.“
„Nehmen Sie Stellung zu der Aussage …“
Entscheiden, ob die Aussage richtig, falsch oder ungenau ist, und die Entscheidung mathematisch begründen (ggf. mit Gegenbeispiel).
Sprachliche Stolpersteine
Symmetrisch ist der Graph, nicht die Funktion. Über die Funktion sagt man „gerade“ bzw. „ungerade“.
„gerade Funktion“ ≠ „eine Gerade“: Der Graph von ist eine Gerade, aber ist keine gerade Funktion.
Die Symmetrieachse (Spiegelachse) ist hier immer die -Achse, das Symmetriezentrum immer der Ursprung. Bei anderen Achsen oder Punkten muss man sie ausdrücklich nennen, z. B. „achsensymmetrisch zur Geraden “.
Der Graph einer Funktion ist (außer für ) nie achsensymmetrisch zur -Achse, weil jedem nur ein Funktionswert zugeordnet ist.
Darstellung in einer Wertetabelle
In der Wertetabelle erkennt man die Symmetrie an den Funktionswerten zu und :
Symmetrie
gleiche Werte
Gegenzahlen
Eine Wertetabelle kann eine Symmetrie nur nahelegen, aber nicht beweisen, weil sie nur endlich viele Stellen enthält.
3 Beispielaufgabe mit Musterlösung
Aufgabe
Untersuchen Sie den Graphen der Funktion mit auf Symmetrie.
Lösung
1. Definitionsmenge prüfen. Wegen ist der Nenner nie null, also . Diese Menge ist symmetrisch zu 0.
2. Allgemeiner Ansatz: In den Funktionsterm wird für eingesetzt.
3. Umformen. Es gilt und :
4. Ergebnis formulieren. Für alle gilt . Der Graph von ist also punktsymmetrisch zum Ursprung; ist eine ungerade Funktion.
Graph von : Die Punktspiegelung am Ursprung bildet den Graphen auf sich ab.
Schritt
Ergebnis
Definitionsmenge
, symmetrisch zu 0
Vergleich
für alle
Symmetrie
punktsymmetrisch zum Ursprung ( ungerade)
Zwei kurze Ergänzungen
Ganzrationale Funktion: enthält nur die Exponenten , und – alle gerade. Der Graph ist achsensymmetrisch zur -Achse.
Widerlegung mit Gegenbeispiel: enthält gerade und ungerade Exponenten. Es gilt und . Wegen ist der Graph nicht achsensymmetrisch zur -Achse, wegen auch nicht punktsymmetrisch zum Ursprung.
4 Übungen
Die Teilaufgaben werden von a) nach f) schwieriger. Tragen Sie Ihre Ergebnisse ein und klicken Sie auf „Eingaben prüfen“. Grün heißt richtig, Gelb: der Wert stimmt, die Form noch nicht, Rot: noch nicht richtig.
Aufgabe 1 Symmetrie am Graphen erkennen
Grundlagen
Entscheiden Sie, welche Symmetrie der abgebildete Graph besitzt.
achsensymmetrisch zur -Achse: Die linke Hälfte ist das Spiegelbild der rechten Hälfte an der -Achse.
keine der beiden Symmetrien: Der Graph ist eine Parabel mit dem Scheitelpunkt bei . Er ist achsensymmetrisch zur Geraden , nicht aber zur -Achse.
punktsymmetrisch zum Ursprung: Eine Drehung um um bildet den Graphen auf sich ab; der Graph verläuft durch .
keine der beiden Symmetrien: Der Graph hat dieselbe Form wie in c), ist aber nach oben verschoben. Er verläuft nicht durch den Ursprung, obwohl ist – für eine ungerade Funktion müsste gelten.
Aufgabe 2 Ganzrationale Funktionen
Exponentenregel
Untersuchen Sie den Graphen von auf Symmetrie. Multiplizieren Sie den Funktionsterm, falls nötig, zuerst aus.
→
→
→
→
→
→
Exponenten und , beide gerade: achsensymmetrisch zur -Achse.
Exponenten und , beide ungerade: punktsymmetrisch zum Ursprung.
Exponenten (ungerade) und (gerade): keine der beiden Symmetrien. Gegenbeispiel: , .
, Exponent ist gerade; außerdem gilt : achsensymmetrisch zur -Achse.
, nur ungerade Exponenten: punktsymmetrisch zum Ursprung.
. Die Exponenten und sind ungerade, der Summand hat aber den geraden Exponenten : keine der beiden Symmetrien. Gegenbeispiel: .
Aufgabe 3 Nachweis mit
Nachweis
Berechnen Sie und untersuchen Sie den Graphen von auf Symmetrie.
Terme eingeben: Exponent mit ^, Bruch mit /, Klammern mit ( ), z. B. -x/(x^2+1). Die eulersche Zahl schreiben Sie als e, also als e^(-x). Jede gleichwertige Schreibweise wird als richtig erkannt.
Symmetrie:
,
Symmetrie:
Symmetrie:
Symmetrie:
,
Ist symmetrisch zu 0?
Symmetrie:
Gegeben sind und mit .
Der Graph von ist punktsymmetrisch zum Ursprung für .
Der Graph von ist achsensymmetrisch zur -Achse für .
→ achsensymmetrisch zur -Achse.
ist symmetrisch zu 0. → punktsymmetrisch zum Ursprung.
→ punktsymmetrisch zum Ursprung.
→ achsensymmetrisch zur -Achse. (Der Graph heißt Kettenlinie; so hängt z. B. eine Kette zwischen zwei Haken.)
, aber . Die Definitionsmenge ist nicht symmetrisch zu 0, also besitzt der Graph keine der beiden Symmetrien – eine Rechnung mit ist gar nicht nötig.
: Der Summand hat einen geraden Exponenten und muss wegfallen: . Dann ist .
: Der Summand hat einen ungeraden Exponenten und muss wegfallen: . Dann ist .
5 Sachaufgaben und weiterführende Aufgaben
Aufgabe 4 Rote Blutkörperchen
Textaufgabe
Rote Blutkörperchen (Erythrozyten) haben die Form einer beidseitig eingedellten Scheibe mit einem Durchmesser von etwa . Legt man ein Koordinatensystem so, dass die -Achse die Mittelachse der Zelle ist, wird die obere Randlinie des Querschnitts im Bereich näherungsweise beschrieben durch
mit und in . Die untere Randlinie wird durch beschrieben.
Querschnitt eines Erythrozyten (Modell)
Die obere Randlinie ist .
Begründung:
Die Dicke der Zelle an der Stelle beträgt . Berechnen Sie:
Der Graph von entsteht aus dem Graphen von durch Spiegelung .
Der Graph von ist .
„Die gesamte Querschnittslinie (obere und untere Randlinie zusammen) ist der Graph einer Funktion.“
Die Exponenten , und sind gerade, also gilt : Die obere Randlinie ist achsensymmetrisch zur -Achse. Biologisch: Die Zelle ist rotationssymmetrisch zu ihrer Mittelachse, jeder Querschnitt durch die Mitte ist daher spiegelsymmetrisch.
. Wegen der Achsensymmetrie ist . Dicke: .
: Jeder Funktionswert wechselt das Vorzeichen, das ist die Spiegelung an der -Achse. Es gilt , also ist auch der Graph von achsensymmetrisch zur -Achse.
falsch: Zu einer Stelle gehören zwei Punkte der Querschnittslinie, und . Eine Funktion ordnet jedem aber genau einen Wert zu. Deshalb beschreibt man die Kontur mit zwei Funktionen.
Aufgabe 5 Atemstromstärke bei ruhiger Atmung
Textaufgabe
Bei ruhiger Atmung lässt sich die Atemstromstärke (Volumen der Atemluft pro Zeit) in einem vereinfachten Modell beschreiben durch
mit in Sekunden und in . Dabei bedeutet Einatmen und Ausatmen; zum Zeitpunkt beginnt eine Einatmung. Verwenden Sie .
Atemstromstärke im Modell (Atemzyklus 4 s)
Es gilt für alle . Der Graph von ist also .
Gemessen wird . Ohne Rechnung folgt:
Deutung von b):
Berechnen Sie:
Für jeden Zeitpunkt gilt:
→ punktsymmetrisch zum Ursprung.
.
Der Betrag ist gleich, das Vorzeichen entgegengesetzt: 0,5 s vor Beginn der Einatmung wird mit derselben Stärke ausgeatmet, mit der 0,5 s danach eingeatmet wird.
Der Graph einer Funktion mit ist punktsymmetrisch zum Ursprung. Die Abbildung zeigt ihn nur für ; er verläuft durch und .
Bestimmen Sie:
Der Graph einer Funktion mit ist achsensymmetrisch zur -Achse; es gilt und .
Übertragen Sie den Graphen von in Ihre Notizen und ergänzen Sie ihn für . (Ohne Eingabefeld – vergleichen Sie mit der Lösung.)
Punktsymmetrie: . ; . Die Bildpunkte sind und .
. Der Graph einer ungeraden Funktion mit verläuft stets durch den Ursprung.
Achsensymmetrie: . ; .
; .
Jeden Punkt am Ursprung spiegeln: Der linke Teil ist der um um gedrehte rechte Teil. Er verläuft durch , und .
Aufgabe 7 Wahr oder falsch?
Wahr/Falsch
Entscheiden Sie, ob die Aussage wahr oder falsch ist. Begründen Sie Ihre Entscheidung in Ihren Notizen und vergleichen Sie mit der Lösung.
Der Graph von ist punktsymmetrisch zum Ursprung.
Ist der Graph von achsensymmetrisch zur -Achse, so gilt .
Gilt , so ist der Graph von achsensymmetrisch zur -Achse.
Es gibt eine Funktion, deren Graph zugleich achsensymmetrisch zur -Achse und punktsymmetrisch zum Ursprung ist.
Der Graph von besitzt keine der beiden Symmetrien, weil nicht symmetrisch zu 0 ist.
Sind die Graphen von und punktsymmetrisch zum Ursprung, so ist der Graph von achsensymmetrisch zur -Achse.
falsch. Der Summand hat einen geraden Exponenten. Gegenbeispiel: , für eine ungerade Funktion müsste gelten. (Der Graph ist punktsymmetrisch zum Punkt , nicht zum Ursprung.)
wahr. Das ist die Definition für .
falsch. Ein einzelnes Wertepaar genügt nicht. Gegenbeispiel: mit , aber .
wahr. Für gilt und . Es ist (auf ) die einzige solche Funktion, denn aus folgt .
wahr. Zum Beispiel ist , aber . Der Ausdruck ist für gar nicht definiert.
wahr. . Beispiel: .
Aufgabe 8 Nehmen Sie Stellung
Stellungnahme
Nehmen Sie Stellung zu den Aussagen. Wählen Sie die zutreffende Beurteilung und formulieren Sie Ihre Stellungnahme in vollständigen Sätzen in Ihren Notizen.
Lena: „Der Graph von ist punktsymmetrisch zum Ursprung, weil und gilt.“
Ahmed: „Der Graph von ist achsensymmetrisch, denn eine Parabel ist immer symmetrisch.“
Mariam: „Hat ein ganzrationaler Funktionsterm einen geraden Grad, so ist der Graph immer achsensymmetrisch zur -Achse.“
Mögliche Stellungnahme: Das Ergebnis stimmt, denn enthält nur ungerade Exponenten; allgemein gilt . Die Begründung reicht aber nicht aus: Zwei Funktionswerte beweisen keine Symmetrie, die Bedingung muss für alle gelten. Außerdem passt auch zu einer Achsensymmetrie.
Mögliche Stellungnahme: Die Aussage ist ungenau. Der Graph ist eine nach oben geöffnete Parabel mit dem Scheitelpunkt und damit achsensymmetrisch zur Geraden . Zur -Achse ist er nicht symmetrisch: , aber . Bei Symmetrieaussagen muss man die Achse bzw. das Zentrum immer nennen.
Mögliche Stellungnahme: Die Aussage ist falsch. Entscheidend ist nicht der Grad, sondern dass alle Exponenten gerade sind. Gegenbeispiel: hat den Grad 2, aber und . Das Beispiel ist kein Gegenbeispiel, weil sein Graph tatsächlich achsensymmetrisch ist.
6 Das Wichtigste auf einen Blick
achsensymmetrisch zur -Achse
punktsymmetrisch zum Ursprung
Bedingung (für alle )
Geometrie
Spiegelung an der -Achse
Punktspiegelung am Ursprung (Drehung um )
Bezeichnung von
gerade Funktion
ungerade Funktion
Ganzrationale Funktion
nur gerade Exponenten (auch )
nur ungerade Exponenten
Beispiele
Besonderheit
–
Vorgehen beim Untersuchen auf Symmetrie
Prüfen, ob symmetrisch zu 0 ist. Wenn nicht: keine der beiden Symmetrien.
einsetzen und vereinfachen.
mit und mit vergleichen.
Ergebnis in einem Satz formulieren. Bei „keine Symmetrie“ ein Gegenbeispiel angeben.
Typische Fehler
Symmetrie mit einzelnen Zahlenwerten „beweisen“.
Den konstanten Summanden übersehen: ist nicht ungerade.
Funktionsterme in Produktform nicht ausmultiplizieren, bevor man die Exponenten betrachtet.
Vorzeichenfehler bei Potenzen: , aber ; außerdem .
„symmetrisch“ ohne Angabe der Achse bzw. des Zentrums schreiben.
Fachwortschatz
Definitionsmenge symmetrisch zu 0 · für alle · achsensymmetrisch zur -Achse · punktsymmetrisch zum Ursprung · gerade Funktion · ungerade Funktion · Spiegelung an der -Achse · Punktspiegelung am Ursprung · gerade / ungerade Exponenten · Gegenbeispiel