Lernpfad Funktionen Studienkolleg · M-Kurs
Lernpfad · Thema 2

Monotonie von Funktionen

Sie lernen, was „monoton steigend“ und „monoton fallend“ genau bedeutet, wie man Monotonieintervalle angibt und wie man Monotonie mit der Definition nachweist – ohne Ableitung.

1 Definitionen

Monotonie beschreibt, wie sich die Funktionswerte verändern, wenn größer wird. Sie bezieht sich immer auf ein Intervall .

Definition 1 · Monotonie

Die Funktion sei auf dem Intervall definiert. heißt auf

  • monoton steigend, wenn für alle mit gilt: ,
  • streng monoton steigend, wenn für alle mit gilt: ,
  • monoton fallend, wenn für alle mit gilt: ,
  • streng monoton fallend, wenn für alle mit gilt: .

Statt „steigend“ sagt man auch „wachsend“, statt „fallend“ auch „abnehmend“.

xyx₁x₂f(x₁)f(x₂)
streng monoton steigend:
xyx₁x₂f(x₁)f(x₂)
streng monoton fallend:
Definition 2 · Monotonieintervalle

Die größtmöglichen Intervalle, auf denen streng monoton steigend bzw. streng monoton fallend ist, heißen Monotonieintervalle von . Eine Stelle, an der das Monotonieverhalten wechselt (z. B. der Scheitelpunkt einer Parabel), darf zu beiden angrenzenden Intervallen gehören.

Merke
  • Wer streng monoton steigt, steigt auch monoton – umgekehrt nicht. Eine konstante Funktion ist monoton steigend und monoton fallend zugleich, aber nicht streng monoton.
  • Monotonie gilt immer auf einem Intervall, nie „an einer Stelle“.
  • Nachweis (Differenzmethode): Für beliebige aus das Vorzeichen von bestimmen. Positiv → streng monoton steigend, negativ → streng monoton fallend.
  • Widerlegung: Ein einziges Gegenbeispiel mit „falscher“ Reihenfolge der Funktionswerte genügt.
  • Ist auf streng monoton steigend, dann ist dort streng monoton fallend; und mit sind ebenfalls streng monoton steigend.

2 Typische Ausdrucksweisen und Darstellungen

Formulierungen in Aufgaben und Texten

FormulierungBedeutung
„ ist auf streng monoton steigend (wachsend).“
„Der Graph steigt auf .“ · „Die Funktionswerte nehmen zu.“
„Je größer , desto größer .“
für alle
„ ist auf streng monoton fallend (abnehmend).“
„Der Graph fällt auf .“ · „Die Funktionswerte nehmen ab.“
„Je größer , desto kleiner .“
für alle
„Untersuchen Sie auf Monotonie.“
„Beschreiben Sie das Monotonieverhalten von .“
„Geben Sie die Monotonieintervalle an.“
in Intervalle zerlegen und für jedes angeben, ob dort streng monoton steigt oder fällt.
„Weisen Sie nach, dass auf streng monoton … ist.“Allgemeiner Nachweis mit der Definition, z. B. über das Vorzeichen von .
Sachzusammenhang: „Die Konzentration steigt bis …“, „nimmt ab dem Zeitpunkt … ab“, „wächst ständig“Monotonieaussage über die Funktion, die die Größe beschreibt – mit Angabe des Zeitraums (Intervalls).

Intervallschreibweise

IntervallUngleichungBezeichnung
abgeschlossenes Intervall
 (auch )offenes Intervall
 bzw.   bzw.  halboffenes Intervall
 bzw.   bzw.  unbeschränktes Intervall
alle reellen Zahlen
Sprachliche Stolpersteine
  • „ ist steigend“ ohne Intervall ist unvollständig. Richtig: „ ist auf streng monoton steigend.“
  • Bei steht immer eine offene Klammer, denn ist keine Zahl.
  • „monoton steigend“ und „streng monoton steigend“ sind verschiedene Aussagen.
  • „Der Graph steigt“ beschreibt das Bild, „die Funktion ist monoton steigend“ die Funktion – beides ist üblich.

Darstellung in einer Monotonietabelle

Das Monotonieverhalten wird oft in einer Tabelle mit Pfeilen zusammengefasst, hier für (siehe Beispielaufgabe):

↘ streng monoton fallend (Tiefpunkt)↗ streng monoton steigend

Monotonie wichtiger Grundfunktionen

FunktionMonotonieverhalten
: streng monoton steigend auf ; : streng monoton fallend; : konstant
: fallend auf , steigend auf ; für umgekehrt (jeweils streng)
, ungeradestreng monoton steigend auf
, gerade ()streng monoton fallend auf , streng monoton steigend auf
streng monoton fallend auf und auf – aber nicht auf ganz
streng monoton steigend auf
 (, ): streng monoton steigend; : streng monoton fallend
 (, ): streng monoton steigend; : streng monoton fallend (auf )

3 Beispielaufgabe mit Musterlösung

Aufgabe

Gegeben ist , . Untersuchen Sie auf Monotonie und weisen Sie das Monotonieverhalten mithilfe der Definition nach.

Lösung

1. Scheitelpunktform bilden (quadratische Ergänzung):

Der Scheitelpunkt ist , die Parabel ist wegen nach oben geöffnet.

2. Vermutung: ist auf streng monoton fallend und auf streng monoton steigend.

3. Nachweis allgemein. Für beliebige gilt:

Der erste Faktor ist wegen stets positiv. Das Vorzeichen hängt also vom zweiten Faktor ab:

  • Fall : Dann ist , also und damit , d. h. . → streng monoton fallend auf .
  • Fall : Dann ist , also und damit . → streng monoton steigend auf .
xy−11234−4−3−2−1123450S(2 | −3)streng monoton fallendstreng monoton steigend
Monotonieintervalle von
SchrittErgebnis
Scheitelpunktform,  
auf streng monoton fallend
auf streng monoton steigend

4 Übungen

Die Teilaufgaben werden von a) nach f) schwieriger. Tragen Sie Ihre Ergebnisse ein und klicken Sie auf „Eingaben prüfen“. Grün heißt richtig, Gelb: der Wert stimmt, die Form noch nicht, Rot: noch nicht richtig.

Aufgabe 1 Monotonieverhalten bekannter Funktionen

Grundlagen

Geben Sie das Monotonieverhalten von an. Nutzen Sie bei quadratischen Funktionen die Scheitelpunktform.

  1. ist auf .
  2. ist auf .
  3. ist auf .
  4. ist für
    und für .
  5. ist für
    und für .
  6. ist
    auf ,
    auf ,
    auf ganz .

Aufgabe 2 Monotonie am Graphen ablesen

Graph

Die Abbildung zeigt den Graphen einer Funktion mit . Lesen Sie die Monotonieintervalle ab.

xy−3−2−112−3−2−1120Gf
  1. ist streng monoton steigend für .
  2. ist streng monoton fallend für .
  3. ist streng monoton steigend für .
  4. Auf dem Intervall ist .
    Auf dem Intervall ist .
  5. Entscheiden Sie ohne Rechnung, nur mithilfe der Monotonie:

       

Aufgabe 3 Nachweis mit der Definition

Nachweis

Vervollständigen Sie die Nachweise. Dabei seien und beliebige Stellen aus dem angegebenen Intervall mit .

  1. auf :
    Da , ist . Also ist auf .
  2. auf :
    Für gilt: und ,
    also . ist auf .
  3. auf :
    mit
    Zähler , Nenner . Also ist auf .
  4. auf :
    Für ist , also ist auf .
  5. Gegeben ist mit .
    ist auf streng monoton steigend genau dann, wenn .
    Für ist .

5 Sachaufgaben und weiterführende Aufgaben

Aufgabe 4 Wirkstoffkonzentration im Blut

Textaufgabe

Nach der Einnahme einer Tablette wird der Wirkstoff aus dem Darm ins Blut aufgenommen und gleichzeitig abgebaut und ausgeschieden. Die Konzentration im Blutplasma wird modelliert durch

Dabei ist die Zeit nach der Einnahme in Stunden und die Konzentration in .

t in hc in mg/L123456789101234560
Konzentrations-Zeit-Kurve
  1. Lesen Sie ab: Die Konzentration ist am größten zum Zeitpunkt h.
  2. ist auf und auf .
  3. Entscheiden Sie ohne Rechnung:

       
  4. Deutung:
  5. „Weil auf streng monoton fällt, sinkt die Konzentration dort in jeder Stunde um denselben Betrag.“

Aufgabe 5 Body-Mass-Index

Textaufgabe

Der Body-Mass-Index wird berechnet als ( Körpermasse in kg, Körpergröße in m, in ).

  1. Für eine Person mit m gilt . Diese Funktion ist auf .
  2. Für kg gilt . Diese Funktion ist auf .
  3. Vervollständigen Sie den Nachweis zu b). Für gilt:

    ,   daher ,   also .
  4. Berechnen Sie (auf zwei Nachkommastellen gerundet):

      

Aufgabe 6 Bakterienwachstum und Wirkstoffabbau

Textaufgabe

Die Anzahl der Bakterien in einer Kultur wird beschrieben durch , die Konzentration eines Medikaments im Blut durch (jeweils in h, ; in ).

  1. ist ,   ist .
  2. Nachweis für mit dem Quotienten (möglich, weil alle Funktionswerte positiv sind). Für gilt:

     mit .
    Da der Exponent positiv und die Basis größer als 1 ist, gilt , also .
  3. nimmt in jeder Stunde um % ab.
  4. Eine Funktion mit und ist streng monoton fallend genau dann, wenn .
  5. Die Funktion ist .

Aufgabe 7 Wahr oder falsch?

Wahr/Falsch

Entscheiden Sie, ob die Aussage wahr oder falsch ist. Begründen Sie Ihre Entscheidung in Ihren Notizen und vergleichen Sie mit der Lösung.

  1. Die Funktion ist auf streng monoton steigend.
  2. Eine konstante Funktion ist monoton steigend und monoton fallend zugleich.
  3. Gilt , so ist auf streng monoton steigend.
  4. Ist auf streng monoton steigend, so ist auf streng monoton fallend.
  5. Die Funktion ist auf ihrer Definitionsmenge streng monoton fallend.
  6. Ist der Graph von achsensymmetrisch zur -Achse und auf streng monoton steigend, so ist auf streng monoton fallend.

Aufgabe 8 Nehmen Sie Stellung

Stellungnahme

Nehmen Sie Stellung zu den Aussagen. Wählen Sie die zutreffende Beurteilung und formulieren Sie Ihre Stellungnahme in vollständigen Sätzen in Ihren Notizen.

  1. Bei einer Patientin wird alle zwei Stunden die Körpertemperatur gemessen:

    Uhrzeit8:0010:0012:0014:00
    Temperatur in °C37,237,938,639,1
    Pfleger: „Die Temperatur ist zwischen 8 und 14 Uhr streng monoton gestiegen.“
  2. Jonas: „ ist auf streng monoton steigend. Also ist auch auf streng monoton steigend, denn auch hier kommen nur ungerade Exponenten vor.“
  3. Sofia: „Ist der Graph von punktsymmetrisch zum Ursprung und auf streng monoton fallend, dann ist auf ganz streng monoton fallend.“

6 Das Wichtigste auf einen Blick

heißt auf …wenn für alle aus gilt:Graph
streng monoton steigendsteigt
monoton steigendsteigt oder verläuft waagerecht
streng monoton fallendfällt
monoton fallendfällt oder verläuft waagerecht
Vorgehen beim Untersuchen auf Monotonie (ohne Ableitung)
  1. Funktionstyp erkennen und Monotonieverhalten der Grundfunktion nutzen (Steigung, Scheitelpunkt, Basis, Exponent).
  2. Monotonieintervalle mit Intervallen oder Ungleichungen angeben; Wechselstellen dürfen zu beiden Intervallen gehören.
  3. Nachweis: Vorzeichen von für bestimmen (bei positiven Funktionswerten auch: mit vergleichen).
  4. Widerlegung: ein Gegenbeispiel angeben.
Zusammenhang mit der Symmetrie
  • Graph achsensymmetrisch zur -Achse: Das Monotonieverhalten kehrt sich um (steigend auf ⇔ fallend auf ).
  • Graph punktsymmetrisch zum Ursprung: Das Monotonieverhalten bleibt gleich (steigend auf ⇔ steigend auf ).
Typische Fehler
  • Monotonie aus zwei oder wenigen Funktionswerten folgern.
  • Monotonie „an einer Stelle“ angeben oder das Intervall weglassen.
  • auf ganz für fallend halten.
  • Monotonie mit gleichmäßiger Änderung verwechseln: „fällt“ heißt nicht „fällt jede Stunde um denselben Betrag“.
  • Beim Kehrwert die Umkehrung der Reihenfolge vergessen: für positive Zahlen gilt .

Fachwortschatz

Intervall · für alle mit · monoton steigend / wachsend · streng monoton steigend · monoton fallend / abnehmend · streng monoton fallend · konstant · Monotonieintervalle · Monotonieverhalten · Gegenbeispiel

Ausblick: In der Differentialrechnung lernen Sie ein bequemeres Verfahren kennen: Das Vorzeichen der ersten Ableitung zeigt, ob steigt oder fällt.